248 Weich gebrannte Fliesen und Ziegel

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... bei vielen Mustern ist die Verwendung von Fliesen und Ziegeln erforderlich - VERBINDUNG ZUM BODEN (168), GUTE BAUSTOFFE (207), FUSSBODEN (233), SITZMAUER (243), FUGEN IM PFLASTER (247).


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Wie kann jemand den Boden fühlen oder den Lauf der Zeit, oder irgendeine Verbindung zu seiner Umgebung eingehen, wenn er auf harten, mechanisch hergestellten, leicht abwaschbaren Belägen aus Beton, Asphalt, auf hartgebrannten Ziegeln oder künstlich zusammengesetzten Mischungen wie Terrazzo geht.


Es kommt vor allem darauf an, dass die ebenerdigen Flächen, auf denen wir gehen - sowohl außen um die Gebäude als auch innen an jenen Stellen, wo der Boden hart sein muss, wie in Gängen oder Küchen - zumindest so weich sind, dass man anhand der allmählich entstehenden Wellen und Unebenheiten den Lauf der Zeit spürt; sie erzählen die Geschichte von Tausenden Schritten und machen einem deutlich, dass Gebäude wie Menschen sind - nicht etwas Unzugängliches und Fremdes, sondern etwas Lebendiges, das sich mit der Zeit verändert, mit der Erinnerung an die unzähligen zurückgelegten Wege.


Nichts zeigt den Lauf der Zeit so gut wie sehr weiche, leichtgebrannte Ziegel und Fliesen. Sie gehören zu den billigsten Platten, die man herstellen kann; sie bestehen aus gewöhnlichem Ton, sind biologisch abbaubar und entwickeln durch die Wellen, die beim Darüber gehen allmählich entstehen, immer ein schönes Gefühl für Abnutzung und für die Dimension der Zeit.


Die für die VERBINDUNG ZUM BODEN (168) erforderlichen, gepflasterten Flächen um ein Gebäude herum spielen außerdem noch eine besondere Rolle. Sie sind jene Stellen, die begrifflich zwischen dem Gebäude - mit seinen künstlichen Baustoffen - und dem Boden - der vollkommen natürlich ist - liegen. Damit diese Verbindung spürbar wird, müssen auch die Materialien in ihrer Beschaffenheit zwischen dem Gebäude und der Erde liegen. Weich gebrannte Fliesen sind also wiederum der geeignetste Baustoff.


Wir halten das für so wichtig, dass wir jedem, der ein Gebäude baut, ausdrücklich empfehlen, die für das Erdgeschoß und die Flächen im Freien erforderliche Menge an Ziegeln und Fliesen selbst herzustellen; dazu sollte am besten der vor Ort vorhandene Ton verwendet werden und die Ziegel direkt auf dem Bauplatz gebrannt werden.


Das ist ganz einfach. Wir zeigen im einzelnen, wie man die Fliesen selbst macht und wie man eine improvisierte Brenngrube anlegt. Das ist ganz einfach. Wir zeigen im einzelnen, wie man die Fliesen selbst macht und wie man eine improvisierte Brenngrube anlegt. Beginnen wir mit dem Ton: Es wäre am besten, wenn man den Ton von Beginn an selbst machen würde.


Ton ist verwittertes feldspathaltiges Gestein. Er kommt auf der ganzen Welt reichlich vor. Wenn man Glück hat, findet man ihn im eigenen Hinterhof.


Um festzustellen, ob es sich um Ton handelt, nimm ein wenig davon und mach es nass. Ist es plastisch und klebrig genug, um eine weiche Kugel daraus zu formen, dann ist es Ton...


Verarbeite den Ton folgendermaßen:

  1. Entfern zuerst Verunreinigungen wie Zweige, Blätter, Wurzeln und Steine.
  2. Dann trockne die Klumpen an der Sonne.
  3. Zerbrich diese Klumpen und zerreib sie möglichst fein.
  4. Bedeck den zerriebenen Ton soweit mit Wasser, dass noch ein Hügel aus dem Wasser ragt.
  5. Rühr den Ton um, nachdem er einen Tag lang im Wasser war, und reib ihn durch ein Sandsieb.
  6. Lass ihn einen weiteren Tag stehen und entfern das übrigbleibende Wasser.1. Lass ihn einen weiteren Tag stehen und entfern das übrigbleibende Wasser.2. Leg den Ton in einen Gipsbehälter; der Gips absorbiert das Wasser und macht den Ton hart genug zum Bearbeiten.
  7. Probiere den Ton aus und knete ihn. Wenn Risse auftreten, ist er zu spröde; füg in diesem Fall bis zu 7% Bentonit hinzu. Ist der Ton zu plastisch, muss man Schamotte beifügen.


Das Schwinden kann verringert werden, wenn man den Ton mit Quarz oder Schamotte vermischt. Schamotte ist hellbraun gebrannter, zermahlener Ton. Manche stellen sich die Schamotte aus gebrochenen, hellbraun gebrannten Stücken selbst her. Sie ist sehr billig und in verschiedenen Feinheitsgraden bei jedem Baustofflieferanten zu beziehen. Je gröber die Schamotteteilchen sind, desto gröber wird auch die Struktur des gebrannten Gegenstands.

Schamotte macht den Ton porös und wird für Dinge verwendet, die nicht wasserdicht sein müssen. Sie verhindert auch das Verziehen und eignet sich deshalb besonders für die Herstellung von Fliesen und Skulpturen. Ein gutes Verhältnis von Schamotte im Ton liegt bei 20%.

(Muriel Pargh Turoff, How to Make Pottery and Other Ceramic Ware, New York: Crown Publishers, 1949, S. 13.)


Wenn der Ton fertig ist, kann man Fliesen machen


Bei dieser Methode der Fliesenherstellung wird eine Holzform mit den Dimensionen der fertigen Fliesen verwendet. Man nagelt zu diesem Zweck vier Holzleisten auf ein glattes Holzbrett. Die Leisten sollten 2,5 cm breit sein, die Höhe kann zwischen 1 und 2 cm betragen, je nachdem, wie dick die Fliesen sein sollen. Bevor man die Leisten annagelt, sollte man außerdem ein Wachstuch auf das Brett legen, damit es sich nicht verzieht...


Roll den Ton flach aus...  Schneid ein Stück heraus, das bequem in die Form passt, und walz es mit einem Rollholz aus. Arbeite dabei aber nicht über die gesamte Fläche, sondern stets von der Mitte nach allen vier Seiten...  Lass die Fliese trocknen, bis sie so hart wie Leder ist; dann lös sie mit dem Messer entlang der Ränder aus der Form...


Tonfliesen sollten sehr langsam an einem kühlen Platz trocknen. Trocknen sie in der Hitze zu schnell, können sie leicht springen oder sich verziehen. Die Ränder trocknen meistens schneller als die Mitte und sollten deshalb von Zeit zu Zeit befeuchtet werden. (Joseph Leeming, Fun With Clay, Philadelphia und New York: J. B. Lippincott Company.)


Um Ziegel und Fliesen weich zu brennen, muss man keinen richtigen Brennofen bauen. Sie können in offenen Gruben gebrannt werden, wie sie ursprünglich von den Töpfern zum Brennen der Tonwaren verwendet wurden. Eine ausführliche Beschreibung dieser offenen Feuergrube findet sich bei Daniel Rhodes (Kilns: Design, Construction and Operation, Philadelphia: Chilton Book Company). Eine kurze Zusammenfassung:


Grab eine etwa 35 bis 50 cm tiefe und vielleicht einen Quadratmeter große Grube. Leg diese Grube (am Boden und an den Seiten) mit Zweigen, Ästen, Schilf usw. aus. Leg die Fliesen und Ziegel so auf die Auskleidung, dass sie kompakt und nur mit einem winzigen Luftraum dazwischen aufeinandergestapelt sind - (sie können kreuzweise aufgelegt werden)....


Wenn man die Grube mit alten Fliesen auskleidet, hält sich die Wärme noch länger; durch tiefliegende Luftlöcher an einer Seite der Grube brennen die Zweige besser. . . Leg zwischen und auf die Stapel etwas Brennmaterial. Zünd das Brennmaterial in der Grube an und lass es langsam dahinbrennen - was anfangs ohnehin der Fall sein wird, weil in der Grube nicht viel Luft ist. Leg weiteres Brennmaterial drauf, wenn das Feuer bereits höher brennt. Wenn die ganze Grube samt Inhalt rotglühend ist, lässt man das Feuer allmählich. erlöschen und deckt die Grube mit nassem Laub, Dung oder Asche, damit die Wärme drinnen bleibt. Wenn das Feuer erloschen und die Asche kalt geworden ist, kann man die Fliesen herausnehmen.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“



Daraus folgt:


Verwende niedrig gebrannte, weiche Fliesen und Ziegel - damit sie sich mit der Zeit abnutzen und Spuren des Gebrauchs zeigen.


Sie können in einer einfachen Form und mit Ton aus der Gegend direkt am Bauplatz hergestellt werden; fass den Stapel mit Zweigen und Brennholz ein; und brenn sie, bis sie ein zartes Rosa erreichen und noch weich genug sind, um sich mit der Zeit abzunutzen.


Illustration aus „A Pattern Language“
Illustration aus „A Pattern Language“


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Das zarte Rosa trägt dazu bei, WARME FARBEN (250) zu schaffen. Vor dem Brennen kann man die Fliesen auch mit einem ORNAMENT (249) versehen